Diktatkönigin


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Im Folgenden findest du eine Liste mit allen Einträgen vom Uncategorized Kategorie.

Disclaimer

Jedem Menschen, den ich neu kennenlerne, muss ich eine Karte in die Hand drücken. Ausschlusskriterien oder Disclaimer oder wie man das auch nennen mag. Dinge, die am Produkt lülü kaputt sind und sich bis jetzt nicht reparieren ließen. Das wissen wir aus vielfachen Kundenbewertungen.  (Umtausch leider ausgeschlossen, deshalb diese Warnhinweise.)

1. Ich bin langweilig. Gehe nicht gerne aus, bleibe zuhause, mache langweilige Dinge. Das lustige Aussehen kann nicht über das langweilige Wesen hinwegtäuschen. Manche Menschen beklagen auch die Langweiligkeit meiner Freunde, aber da auch ich langweilig bin, passen wir gut zusammen. Ich mag meine langweiligen Freunde sehr gerne.

2. Ich bin unzuverlässig. Das hat sich zwar mit ein paar Updates ein bisschen verbessert; das beweist aber auch, in was für einem schlechten Zustand ich in Bezug darauf vorher gewesen sein muss. Unzuverlässigkeit bedeutet konkret, dass ich nicht mache, was mir aufgetragen, wenn überhaupt, dann mit großer Verspätung, dass ich generell zu spät bin, dass auf mich, so einfach ist das, kein Verlass ist.

3. Ich bin sensibel. Für Messgeräte wäre das vielleicht eine gute Eigenschaft, bei mir deutet es eher darauf hin, dass ich schnell kaputt gehe; Schale wie Getriebe. Zwar einigermaßen leicht zu reparieren, aber das lohnt sich bei der Anzahl der Zusammenbrüche nicht.

4. Man findet mich nicht. Ich bin die Sache, die man immer wieder verliert und erst nach langer Zeit wieder findet. Das nervt natürlich.

5. Ich höre abrupt und ohne erkennbaren Grund auf, zu funktionieren. Das gehört ein bisschen in die Kategorie Nr. 2 und hat zur Folge, dass mit mir geplante Projekte nicht stattfinden können.

6. Ach, das reicht erst mal.

Auf weitere Kundenklagen gehen wir  natürlich gerne ein und fügen sie zu unserer Liste, um potenziellen Kunden die nötige Transparenz über dieses fehlerhafte Produkt zu geben. Rückholaktionen oder auch die Einstampfung des Produktes hat leider noch nicht funktioniert; diese Option entwickeln wir jedoch gedanklich und hoffen, in näherer Zukunft damit eventuelle Schäden bei unseren Kunden vorzubeugen.


Abi adé?

Das mit der großen Reise hat gestimmt. Es war aber mehr ein Langstreckenflug als eine Schiffsfahrt. Darauf deuteten die Sicherheitshinweise zu Beginn (Die Notausgänge wurden angezeigt!), das spannungsgeladene Sekundenzählen vor dem Abflug, und dass man an seinem Sitzplatz bleiben sollte. Bis auf Toilettenpausen natürlich.

Zwei Zwischenlandungen waren eingeplant:
Die erste fand in der falschen Stadt statt (Fehler vom Tower), aber wer will, darf am 30. April nochmal zum richtigen Zwischenziel. Die Kosten werden von der Fluggesellschaft übernommen.
Die zweite Zwischenlandung war eine ziemlich holprige Notlandung, auch am falschen Ort, aber zusätzlich mit verschreckten Passagieren, die wegen der Turbulenzen um ihr Leben fürchteten. Eine jedenfalls. Sie fährt am 6. Mai mit dem Schiff an den richtigen Ort.

Wie schön war es dafür, am endgültigen Ziel anzukommen! Der neue Koloss empfing uns mit Sonnenschein, flüsterte uns den Amerikanischen Traum ein; jemand hatte Namensschilder mit der Aufschrift „I know you can!“ an unseren Koffern befestigt und verteilfte süße Erdbeeren zur Erfrischung. Eine große Willkommensparty zu unseren Ehren, sogar der Präsident gab sich die Ehre und freute sich mit uns.

Sesshaft werde ich hier aber nicht. Zwischenreiseziele, die noch fehlen. Das schönste in etwa einer Woche.

(Bild ist aus der Sammelkiste Internet. Quittung verloren.)


Schiefgegangen.

Show me forgiveness
for having lost faith in myself
and let my own interior up
to inferior forces
the shame is endless
but if soon start forgiveness
the girl might live

Björk, Show me forgiveness


Abi ahoi!?

Wir begeben uns auf eine große Reise, das sieht man.
Haben gepackte Taschen, viel zu viel Proviant für den Weg (Schokolade, Tee, Traubenzucker, Wasser, Brot, Kekse, Früchte etc.) und mit uns kommen gute Wünsche. Verabschiedung und Ankunft, Umarmungen, als hätte man sich Jahre nicht gesehen oder würde sich Jahre nicht mehr sehen. Wir machen uns reisefertig, ziehen uns gemütlich an, hoffen füreinander, dass alles gut geht.
Es ist eine Schiffsreise. Die dauert lange. Ist ein größeres Abenteuer. Aber wir bestehen es. Wir werden es alle überstehen. Tabletten gegen Übelkeit sind natürlich auch im Gepäck. Hier geht keiner über die Rehling. Und wir winken nochmal zum Abschied.

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Ein anderer Gedanke, und ich glaube ihn fast:
Die legen uns rein. Das Abitur gibt es garnicht. Das ist nur dazu da, uns Angst zu machen. Aber wenn wir in den Prüfungsraum gehen, ist da keine Prüfung. Reingelegt. Wir dürfen den anderen natürlich nichts verraten, bekommen gesagt, was wir an Informationen verbreiten dürfen (welcher Vorschlag leicht war und ob wir Zeit zum Essen hatten z.B.), verbringen die „Prüfungszeit“ aber mit etwas anderem. Was? Keine Ahnung. Ich bin ja erst morgen dran. Und die anderen tun alle so, als hätten sie in echt geschrieben. Das machen die echt gut.
Das Abitur ist bestimmt nur ein Mythos. Wetten?


Neues Level erreicht. Ganz schön luftig-regenbogig hier oben. Näher am Endgegner. Aber auch mit neuen Kräften und Extraleben ausgestattet. Jetzt geht’s ans Kisten zertrümmern und Sternesammeln.


Tas.

Das war das. Es war und ist okay. Der Morgen danach und es ist in Ordnung. Es spielt keine Rolle und das ist gut. Eine von denen zu sein, verändert nichts. Jetzt vorbei und Erleichterung.

Freunde sind Freunde und Freunde sind gut und gut sind Freunde. Fürchte, dass am meisten Lob eher Trostgedanken hängen, aber das ist egal. Es zählt nicht, ob ich gut war, es zählt, dass ich Freunde habe, die da sind, egal, ob ich etwas gut mache, oder mich so durchkringle.

Bin durchgekommen, das war, was ich wollte. Bei allen Zweifeln vorher, bei allen großen Zweifeln und Aufgebegedanken (großen Aufgebegedanken!), ist der Erfolg, es geschafft zu haben. Es ging, auch mit dem Gedanken an alle Ohren und Augen, nicht darum, große Leistung zu erbringen. Die große Leistung war, überhaupt etwas zu bringen. Ehrlich. Wer kann das erahnen?

Auf lippenzitterndes Lächeln ins Publikum folgt ein Ich-sehe-dich-Schulleitungsnicken. Erhascht. Geschafft. Letztes Orchesterkonzert und es ist in Ordnung. Das war das.


Der Plan:

1. Milchkaffee trinken

2. Duschen und Haarewaschen

3. im Handtuch und mit tropfigem Haar Sahne steifschlagen

4. Vanillinzucker unterrühren, Milch warm machen, Glücksbringerchen

5. Badewannenträume, Haare fitzelig flechten, Film schauen.

Klingt gut, oder?


Lieber Vivaldi,

wir kennen uns schon lange. Es müssen ungefähr 15 oder 16 Jahre sein. Wenn man bedenkt, wieviele Beziehungen aus dieser Zeit sich bis jetzt gehalten haben, gut gehalten haben, dann ist das bemerkenswert.

Wir haben vielleicht nicht so viel gemeinsam; das rote Haar vielleicht, aber von dem hast du ebenso mehr wie von der anderen halben Gemeinsamkeit: der Geige. 
Trotzdem sind wir miteinander verknüpft. Du hast mich wachgemacht für funkelnde und trillernde und helle Musik. Das Wort „Barock“ hat nicht von ungefähr eine Ähnlichkeit mit dem Wort „Rock“, wie die blonde Referendarin vorgestern sagte. Vivaldi, you’ve rocked my Grundschul-world.

Dich habe ich mit Trotz lautundlautundlaut gehört, um zu zeigen, dass ich wirklich Geige lernen wollte. Ich wollte das, seit ich dich kenne. Natürlich, die „Vier Jahreszeiten“, und seit meinem 5. Lebensjahr dieser Herzenswunsch. Du bist schuld. Du warst aber auch mehr:

Du warst meine Tanzpartnerin. Eiskunstlauf und Ballett, glatte Socken auf Laminat, Rampenlicht aus Schreibtischlampe. Du warst jünger als ich, solltest einmal in meine Fußstapfen treten, die Stapfen einer erfolg-  und ruhmreichen Tänzerin. Eigentlich warst du ein bisschen ich, zumindest in meinem eigentlichen Alter. Auf dem CD-Cover der „Vier Jahreszeiten“ eine weißblondgelockte junge Frau im Grünen, mit Hut und Handschuhen. Vivaldi, das warst du. Vivaldi, ich dachte, dein Name sei ein Mädchenname.

Als ich 15 war, hat mein Trotz mir meinen Wunsch erfüllt. Jetzt spiele ich schon ein Weilchen, konnte auch schon die ersten 39 Takte des Februars spielen. Und auch den ersten Satz des Konzertes in a-moll, sogar ein ganzes Stück auswendig (und den zweiten, abends an einem Steg in Schweden, Sommerluft).
Da ist etwas in deiner Musik, das mir beim Hören und Spielen in die Fingerspitzen geht. Wie du die harmonischen Veränderungen in den Durchführungen gemacht hast zum Beispiel. Und eben das Funkelnde, Trillernde, Helle. Geigenklang. Sauberer Geigenklang.

Lieber Vivaldi, ahnst du, wohin du mich bühnensüchtiges Kind geführt hast, alle Widerstände zum Trotz? Ahnst du, worauf ich hinaus will?
Concerto grosso, zwei Sologeigen, Donnerstag und Freitag nächste Woche, große Bühne. Der Widerstand nicht so groß wie der Wille.
Zwei Sologeigen und ich eine davon. Konzert in d-moll. Nicht so hoch wie ich mich immer träumte, aber weiter, als ich dachte, dass ich kommen könnte. Widerstand.
Ich will meine Widerständler einladen, die höflichen und die gemeinen, will, dass meine Bühne die richtigen Empfänger hat. Will hell sein und trillern und funkeln. Bin nervös.

Lieber Vivaldi, wir kennen uns schon sehr lange. Ich habe mittlerweile akzeptiert, dass du keine Frau bist. Ich kenne Musik, die mein Herz in größere Schwingungen versetzt als Barock. Ich übe ja eigentlich kaum.
Trotzdem bleibst du mein Kernkomponist, bleibst immer der Grund für meinen Wunsch. Und wirst in wenigen Tagen seiner Erfüllung ein Krönchen aufsetzen. Grazie mille, prete rosso. Grazie mille, Antonio.

p.s. Ey, wehe du kommst nicht zum Konzert!


Abitur-Allerlei

  • Mein Bruder epresst besticht mich, damit ich für’s Abitur lerne. Von Süßem und anderen guten Dingen gibt er mir erst ab, wenn ich ein Blatt meiner Geschichtszeitleiste am Küchenschrank mit Fakten ergänze. Heute also Französische Revolution Teil 1, sonst nimmt er mir den von ihm geschnorrten Eistee wieder weg.
  • Einige Gelegenheitsraucher macht das Abitur stark nikotinabhängig. Aus mir Gelegenheitsbaderin macht das Abitur ein hot-water-addict. Liege gut zweimal die Woche in der Wanne, schwitzbadheiß mit offenem Fenster (Heizung nicht an, dafür Kerzen), Essen und Trinken, Musik und Computer natürlich. Lege mich rein, lasse mich durchschrumpeln und fantasiere davon, wie ich die Wannenzeit zum Lernen nutzen könnte. Haha.
  • Immer wieder der eine Vorsatz: es ist nicht wichtig, wie man es schafft, sondern dass man es schafft.  Natürlich auch der Zweifel: Kann ich es schaffen? Müsste aber klappen.                                                                                           Ansonsten: Panik – ja, immer wieder. Gehört wohl dazu.

Is it? Say, how can it possibly be? And how could I ever accept it?

(picture by Raphael Vincenzi)