Diktatkönigin



Ethikunterricht der ganz besonderen Art

summer

Letzten Montag hatten wir Ethikunterricht im Freien, es gab fantastischen Sonnenschein (es war sogar so sonnig, dass ich mich vernünftiger Weise sogar mit Sonnenschutz eingecremt habe – das erste Mal in diesem Jahr) und wir hatten einige recht spezielle Aufgaben zu erfüllen:

1. Aufgabe

Zwei SchülerInnen schreiben sich gegenseitig mit dem Finger Wörter auf den Rücken, die zu erspüren sind.

2. Aufgabe

Mit geschlossenen Augen gehen die Schülerinnen ruhig in einem freigeräumten Raum umher, ohne zu reden oder mit den Armen tastend zu suchen.

3. Aufgabe

Mit geschlossenen Augen geht jede Schülerin (einzeln und nacheinander) auf eine Wand zu, die ca. 7 m vom Startpunkt entfernt ist. Die Schülerin soll dann stehen bleiben, wann sie den ersten Impuls zum Stoppen verspürt.

4. Aufgabe

Man sucht sich eine Partnerin und setzt sich gegenüber. Eine Person schließt die Augen und fasst und begreift die Hände der Partnerin. Dabei soll sie erzählen, was sie spürt, fühl und empfindet. Das geschieht im Wechsel.

Die erste Aufgabe ging leicht, ich erinnere mich, dass wir im Grundschulalter sowas mal in einer Kindergruppe gemacht haben. Es wunderte mich jedoch etwas, dass mein Partner, ein Gamer, mein Wort zwar erkannte, aber nicht kannte. Das Wort war „Nerd“.

Die zweite Aufgabe war ein großer Spaß, wir haben auf dem Oberstufenschulhof eine lebende Wand aus der einen Hälfte des Kurses gebildet, die andere Hälfte durfte blind in diesem Kreis herumtapsen. Gut, wir haben uns nicht an die Regeln gehalten, zu reden war eine prima Orientierungshilfe und getastet wurde spätestens ab dem Zeitpunkt, da man in andere gerumpelt ist. Ein Junge, auch „blind“ innerhalb des Kreises, hatte dabei eine Tasse Kaffee in der Hand (ein weiterer Genusspunkt unseres Ethikunterrichts), eigentlich mit dem Hintergedanken einen anderen Jungen zu treffen. Bis ein Mädchen mit weißer Hose dazwischen kam. Ups.
Gerade dieser Versuch hat bei den umstehenden Schülern für Interesse, wenn nicht gar Belustigung gesorgt.

Bei der dritten Aufgabe hab ich geschummelt, vor der Wand, die ich mir ausgesucht habe, gab es eine Rille im Boden, die sich ertasten ließ.

Die vierte Aufgabe ging aus einem simplen Grund so gut wie garnicht. Um mit geschlossenen Augen und sich an der Hand fassend Empfindungen auszutauschen bedarf es an beidseitigem Vertrauen, die Aufgabe war zu persönlich für diesen Kurs.

Problem an solchen Aufgabenstellungen ist häufig auch das Alter der Schüler. In der 12 funktioniert das nicht mehr so leicht, wie wenn man 10 ist. Aus spielerischer Leichtigkeit ist die Sorge geworden, was andere über einen denken mögen, so man sich allzu sehr einer solchen Aufgabe hingibt.

Denoch weiß ich, dass es nicht darum ging, alles regelgetreu auszuführen, Überbegriff war „Sinneserlebnisse“ und obgleich wir nicht unbedingt alles gemacht und uns nicht zwingend in alles hineingedacht haben, so konnten wir doch unsere Sinne benutzen, um den Sonnenschein zu genießen und zu plaudern. Unterrichtsziel erreicht, oder?

Das nachfolgende Unterrichtsgespräch war eine Einleitung in das Thema „Gewissen“, also von „Wir erleben unsere Sinne“ hin zu „Wie erleben wir unser Gewissen“. Leider war der Text des Arbeitsblattes im Niveau etwas … einfach gestrickt.

Der Inhalt eines Infokasten auf diesem Blatt klang weniger wie sachliche Information, als vielmehr wie die Erklärung eines Kindes, was das Gewissen sei.

„Ich kann über meine Empfindungen und Gedanken selbst nachdenken, und das ist etwas ganz Besonderes[…]“

Äh, ja. Klar.

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Kommentare

  1. * teacher says:

    Ich als Bursche hätte diese Stunde gehasst und (abwehrend) ins Lächerliche gezogen. Und deswegen würde ich so eine „Körpererlebnisreise“ nie inszenieren.

    | Antwort Verfasst 10 years, 3 months ago
  2. * lülü says:

    Unsere Jungs waren da gechillter, statt ‚Sabotage‘, haben sich die, die darauf keine Lust hatten, einfach zurückgezogen und mit Freunden unterhalten.

    | Antwort Verfasst 10 years, 3 months ago
  3. * Barbara says:

    … nette Stunde. Wenn wer im Sommer Zeit hat, ein wenig über eine umweltbewußte Lebensphilosophie online zu diskutieren:

    auf http://oeco10.wordpress.com wäre das möglich …

    LG Barbara

    | Antwort Verfasst 10 years ago


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