Diktatkönigin



Soundtrack of my life

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So eine schöne Idee: Für jede (filmische) Lebensstation ein geshuffeltes Lied.

Vorspann:
Carry On Dancing – Savage Garden
//Theres a magic only two can tell
In the dark night
Ultra violet is a wicked spell//
– Catchy, wenn ich auch nicht weiß, welche tiefere Bedeutung dahinter steckt. Vielleicht besser als Abspann, der eine Fortsetzung verspricht.

Aufwachen:
Lullaby – The Cure
//And I feel like I’m being eaten
By a thousand million shivering furry holes
And I know that in the morning I will wake up
In the shivering cold//
– Oooh! Wie schön! Wo doch mein Aufwachen mit den vorangegangenen Albträumen beginnt. Und ich sie zum Anlass nehme, wieder einzuschlafen.

Einschlafen:
The Unforgiven – Apocalyptica
((what I’ve felt
what I’ve known
never shined through in what I’ve shown
never be
never see
won’t see what might have been))
– Ja, damit lässt sich gut einschlafen, i lugn och ro och även med tårar. Irgendwann spiele ich das auf der Geige. Nachts.

Erster Schultag:
Every You Every Me – Placebo
//Like the naked leads the blind.
I know Im selfish, I’m unkind.
Sucker love I always find,
Someone to bruise and leave behind.//
– Darauf war ich gespannt. Passt vielleicht nicht auf den allerersten Schultag, aber auf jeden nach Ferien neubegonn’nen Schultag, für den Nachts zur Vorbereitung aufgeräumt wurde. Mit Placebo als musikalischem Antrieb.

Verlieben:
Alfredo, Alfredo, Di Questo Core (La Traviata) – Verdi
//Ma verra‘ giorno in che il saprai
Com’io t’amassi confesserai
Dio dai rimorsi ti salvi allora;
Io spenta ancora – pur t’amero‘.//
– Wenn das nicht Liebe ist. Vielleicht nicht verlieben, aber Liebe aus tiefstem Herzen. Nach Bloßstellung aus Liebe verzeihen und bereit sein das Liebste um seines Willens aufzugeben. (Und nächste Woche seh‘ ich mir La Traviata an. Von sehr weit vorne im Parkett, weil es sonst keine Karten mehr gab. Danach muss ich bestimmt weinen.)

Das erste Mal:
Liebesleid (Fritz Kreisler) – gespielt von Thomas Beckmann (Cello)
((no text))
– Schon wieder sowas Hübsches… Aber Liebesleid beim ersten Mal? Naja, was nicht ist, kann ja noch werden. Deshalb ist das Leid auch nicht so groß. Noch nicht.

Kampflied:
The Gloaming (Softly Open Our Mouths In The Cold) – Radiohead
//and the walls bend, and the walls bend
with your breathing, with your breathing
and the walls bend, and the walls bend
what is he doin‘? what is he doin‘?//
– Nicht schlecht, Herr Specht. Das Lied klingt so unbequem, dass es gerne ein Kampflied sein darf. So mit verwirrtem Wegrennen nachdem man die Nase blutig geschlagen bekommen hat. Hastig, düster und unangenehm.

Schluss machen:
Ich liebe dir – JBO
//Nimm nicht den Bernhard, weil der dich nicht gern hat,
Vergiss doch den Alfred, auch wenn er dich anfleht,
Geh nicht zum Björn, das würd‘ mich stör’n,
Ganz schlecht ist der Franz, der hat keinen Stolz.//
– Hihi, endlich etwas Albernes und dann auch noch so schick gereimt. Fragt sich nur, wer da mit wem Schluss macht. Aber – neue, lustige Lieben finden sich immer. (Die Tischtennisbälle am Schluss! Die Tischtennisbälle!)

Abschlussball:
Kophaut – Die Ärzte
//Kein Wunder, daß ich dies indiskutabel fand.
Ich sagte, meine Herren, dies ist ein freies Land.
Sie können das gern mit George Bush ausmachen.
Da fingen die Rothäute an zu lachen.
Sie erklärten, meine Meinung wäre ihnen scheißegal,
und sie banden mich an den Marterpfahl.//
– Äh, ja. Abschlussball. Der wird sicher lustig. Sehr lustig. (Ich tanz dann mit mir selbst, das macht auch nichts. Mach‘ ich ja sowieso schon, also jetzt so.)

Leben (ist nett):
Like Someone In Love – Björk
//Lately I seem to walk as though I have wings
Bump into things like someone in love
Each time I look at you I’m light as a cloud
And feeling like someone in love//
– Ui, das hört hier ja garnicht mehr auf mit den Sahnestücken. Und passt auch recht schön zum Leben, wenn es nett ist. Nicht zu bedeutungsschwanger, fein als Lebenshintergrundgeklimper. Generelle Grundstimmung lächelnd. La la la lala.

Nervenzusammenbruch:
High-Diddle-Dee-Dee (An Actor’s life for me) – Walter Catlett (Pinocchio-Soundtrack)
//Hi-diddle-dee-dee
An actor’s life for me
A wax mustache and a beaver coat
A pony cart and a billy goat
Hi-diddle-dee-dum
An actor’s life is fun//
– Gute Güte. Wie passt das denn bitte zu einem Nervenzusammenbruch? Wobei, mit einer gehörigen Portion Zynismus… Oder wenn ich verzweifelt feststellen sollte, dass ich nicht Schauspielerin/Celebrity sein kann. (Wollte ich das?) Wo ist denn plötzlich meine schmerzhafte Musik hin?

Autofahren:
Space Oddity – David Bowie
//This is Major Tom to Ground Control
I’m stepping through the door
And I’m floating in a most peculiar way
And the stars look very different today
For here
Am I sitting in a tin can
Far above the world
Planet Earth is blue
And there’s nothing I can do//
– Eine sinnsuchende, gedankenverlorene Autofahrt. In der Dämmerung, so dass man die ersten Sterne schon leicht schimmern sehen kann. Der geliebten Verlorenen würde ich zutrauen, dieses Lied auf einsamen Autofahrten gehört zu haben. Wir waren uns nicht unähnlich.

Flashback:
Mir Schwaben – Die Kleine Tierschau
//Ond wären mir einscht weg (also futt)
tät koi Sau ons vermissaen (ha so Endaklemm’r)
zwar find ons jeder drollig (gell du)
ab’r do drauf isch dann g’schissen//
– Grüß Gott. Erinnerungen an das schöne Schwabenland, gutes Essen und Wanderungen. Alte Menschen wohnen da. Und Kälber, in derem Mund man seine Finger stecken kann. In der Gegend (und ja, auch in dem Lied) steckt viel Kindheit, viele materielle Wünsche, viel Humor und viel Familie. Wird alles nicht mehr, wie es war.

Wieder zusammenkommen:
Deutschland Bleiche Mutter – Der Plan
//Unsere Blumen sind Eiskristalle
unsere Liebe ist aus Beton
Zeigen die Gefühle nicht
Das graue Band der Sympathie//
– Es stellt sich die Frage, wer hier mit wem zusammenkommt. Klingt nach Zweckehe. Oder geistiger Nekrophilie. Oder sagen wir, jemand, der seine Jugend in Deutschland verbracht hat, zieht nach Jahren des blumigen Lebens in Schwedens Wäldern in das Industriegebiet einer deutschen Großstadt. Und ist hin- und hergerissen zwischen kaltem Ekel und Zuneigung aufgrund der Mutterliebe, die ihm einst zuteil wurde. Oder es wird beschrieben, dass man seinem Vaterland Leistung entgegenbringen muss, ohne Zärtlichkeit dafür zu bekommen. Aber was hat das mit Zusammenkommen zu tun?
Darüber muss ich nochmal nachdenken.

Hochzeit:
Girls Girls Girls – Die Kleine Tierschau
//Girls Girls Girls
Girls Girls Girls
Girls Girls Girls
Kölsch Kölsch Kölsch//
– Kurz und knackig. Aber eher der Junggesellenabend in einem Striplokal im rheinischem Raum. Da ich nicht heiraten werde, feiere ich lieber diesen Abend mit. Girls, girls, girls…

Geburt des ersten Kindes:
Blumenwalzer (Nussknackerprinz) – Peter Tschaikowski
((no text but oh, so beautiful music))
– Ein verklärenderes Lied für eine Geburt hätte es kaum geben können. Walzer im Kreissaal?
Ist vielleicht garnicht so schlecht, da es entspannt und dem Herzen einen Gefallen tut.
Es lässt sich sicher auch im Takt auf die nächststehende Person einschlagen. Auja, das machen wir!
Wenn das erste Kind mit diesem Stück belegt ist, so wird es ein Märchenkind. Und bekommt sodann ein Hundertfaches an schönen Geschichten zu hören.

Endkampf:
Forgotten – Linkin Park
//I hit you and you hit me back
We fall to the floor, the rest of the day stands still
Fine line between this and that
When things go wrong I pretend the past isn’t real//
– Okay, ein Endkampf mit diesem Lied geht in Ordnung. Wird wohl ein Kampf der persönlichen Art, bei dem man aneinander reißt und sich zerstört, obwohl man sich damit gegenseitig aufzurichten beabsichtigte. Gezeter, Tränen und Geschrei, alles aus Liebe. Am Ende natürlich ohne Sieger.

Todesszene:
En gul böjd banan – Eva Dahlgren
//ja, jag var med i ett TV reportage
jag stod längst bak och åt banan
en gul böjd banan
det är vårt tecken på fanan
min vördnad är så stor
ett ord
och jag sparkar på ett barn
dör för eget svärd
jag är ingen
och inget värd//
– Hier wäre ein instrumentales Stück wohl schöner gewesen. Ist das ein Lebensrückblick, versammelte Weisheiten, eine Reflexion? Die Alternative ist interessant, nicht in völligem Frieden sterben, sondern skurrilen Unsinn äußernd, entweder im Delirium oder weil man sowieso einen Hau weg hatte. Schick dramatisch ist auch, dass wir elefantöse Bläser und Streicher in diesem Lied haben. Live colourful, die with lots of colours.

Beerdigungslied:
Bittersweet Symphonie – The Verve
//I need to hear some sounds that recognize the pain in me, yeah
I let the melody shine,
let it cleanse my mind,
I feel free now
But the airways are clean and there’s nobody singing to me now//
– Dear Lord! Die Gänsehaut nimmt kein Ende. Wenn man mit diesem Lied beerdigt wird, macht es nichts, ob es schneit, oder ob die Sonne brühend warm auf das Grab herab strahlt. Wie eine Huldigung an das Leben und eine Versöhnung mit dem Tod. Eine Mischung aus Marsch und leichtem Tanz. Dieser Klassiker ist so groß, dass man sich fragen kann, ob man ihn nicht abnutzt, zu Kitsch macht, wenn er auf der eigenen Beerdigung gespielt wird. Weil er jedoch das Maß hält, weder in Depressionen zieht, noch irritierenderweise zum Feiern verleitet ist er perfekt. Und so wahr. ‚Cause it’s a bittersweet symphony, this life.

Abspann:
Du oder du – Hermann Van Veen
//Ein unstillbarer Höllendurst, inmitten von Oasen
Ein bunter Zirkuselefant, umringt von teuren Vasen
Ein schwarzes Schaf im Wolfspelz, wild entschlossen zu verwildern
Die Klagemauer vollgehängt mit unsittlichen Bildern
Bin ich ganz ich?
Betrüg‘ ich dich?
Betrüg‘ ich nicht,
Betrüg‘ ich mich.
Es ist so himmlisch fürchterlich
So oder so lass ich ein Herz im Stich.//
– Nicht erwartet, aber ein netter Schluss, Ende meiner Musiklotterie. Inhaltlich passt es zwar nicht zu einem Abspann, der auf alles vorhergenannte folgt, aber das macht den Reiz dieses Liedes aus. Auch nach einem langen, farbenintensiven Leben geht das Leben weiter, mit all seinen kleinen und großen Sorgen und Glücksmomenten. Das Lied ist so lockerluftig, dass man bei aller Dramatik zwar verwirrt, aber summend, lächelnd aus dem Kino spaziert.
So soll es sein.

Hätte ich das alles in der Tat als Filmmusik miterlebt, so wäre ich danach entweder recht durcheinander gewesen oder hätte es für ganz große Kunst gehalten. So groß, dass sie kaum zu verstehen ist. Und nur auf arte läuft.

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