Diktatkönigin



Manifest

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Nachdem ich die ganze Stunde fast nichts sagte, werde ich aufgefordert, etwas über eine Projektidee zu erzählen.
„Die Diktatkönigin ist jetzt dran.“
„Ich? Schon wieder?“
Stirnrunzeln.
„Bis jetzt haben Sie ja kaum was gesagt.“

Das hat gesessen.

Es ist mein Lieblingsfach, das Schulfach, für das mein Herz schlägt. Wenn ich Lehrerin werde, was ich wirklich will, dann werde ich Lehrerin für dieses Fach.
Es ist mein Lieblingsfach und ich bekomme keinen Ton heraus, betrachte die Gespräche meiner Klasse schweigend, passiv und kann mich teilweise nicht konzentrieren. Da schweife ich dann in Gedanken ab und wundere mich, wo das Unterrichtsgespräch angekommen ist und dass ich nichts davon mitbekommen habe.
Es ist mein Lieblingsfach, darum ängstigt mich mein Verhalten.

Am Lehrer liegt’s nicht, der ist wirklich gut.

Es ist eher so, dass ich für das Unterrichtsgeschehen unwichtig bin, in meinem Kurs sind soviele kluge Leute versammelt, dass sich immer jemand findet, der das sagt, was ich auch weiß. Damit hab ich auch kein Problem, mich freut, wenn Leute sich auskennen.
Manchmal spiele ich sogar ein Ratespiel, dass so aussieht, dass ich für mich flüstere, was die Lösung sein könnte und wenn jemand das sagt und es sich als richtig erweist, habe ich gewonnen.
Langfristig werde ich dieses Spiel aber verlieren, hier geht es nicht um Süßigkeiten, die ich mir zur Belohnung schenken kann, es geht um mein Abitur.

Deshalb will ich Veränderung.

  • Ich will mein Wort im Unterricht erheben, will meine Stimme zurückerhalten.
    Schließlich bin ich nicht Arielle und habe keinen Grund zu schweigen.
  • Ich will mich bemühen, die Beste zu sein.
    Auch wenn ich es nicht bin, der Versuch wird mich besser machen.
    Der Glaube, es nicht werden zu können, lässt mich nur stagnieren.
  • Ich will den Unterricht nicht auf mich zukommen lassen,
    sondern mich auf ihn vorbereiten.
  • Ich will mit meiner Meinung, meinen Ideen, meinen Vermutungen nicht hinterm Berg halten,
    ich will reden, reden, reden.
    Es gibt keinen, und das meine ich wirklich, KEINEN Grund zu falscher Bescheidenheit oder höflicher Stille.

Mal schauen, wie weit ich damit komme.

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Kommentare

  1. Eine Situation, in die ich wirklich nie kommen könnte (ich muss mich immer zurückhalten, damit ich das Unterrichtsgespräch nicht alleine bestreite). Aber ich denke auf jeden Fall, dass dein Ansatz richtig ist – man sagt doch, Erkenntnis sei der erste Schritt zu Besserung. Und wenn du das so bewusst angehst, dann musst du dir treu bleiben. Ist schließlich auch ein Versprechen.

    | Antwort Verfasst 9 years, 9 months ago


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