Diktatkönigin



Wir können die letzten Male zählen.

Die Novemberrauhnacht habe ich aufgeräumt, die Dezemberrauhnacht über einen schönen Tag vergessen. Dafür sind die Träume der letzten Nächte bemerkenswert. Merk-würdig. Immer Schule, immer und immer wieder Schule. Überrumpelt von Prüfungen. Und mehr. Das, was uns jetzt allen aufgeht. Dass es nicht mehr lange dauert, dass es fast vorbei ist.
Die letzten Ferien vor den schriftlichen Abiturprüfungen. Der letzte Tag der letzten Ferien vor den schriftlichen Abiturprüfungen. Es geht ein Pi-Pa-Panikmann in uns’rem Kreis herum.

Wir fragen uns gegenseitig „Hast du schon angefangen zu lernen?“ und sind erleichtert zu hören, dass die, die wir fragen, auch noch nichts gemacht haben.
Wir fragen uns gegenseitig „Hast du schon angefangen zu lernen?“ und sind erstaunt über eine von uns, die sich zu ihrer Oma flüchtete, wo es keine Freunde und keine Ablenkung gibt, wo man ungestört lernen kann. Ganz schön frech, denken wir ein bisschen und sind bestimmt auch neidisch.
Wir fragen uns gegenseitig diese blöde Frage, ständig, und wollen sie eigentlich verdrängen. „Neinneinnein, lass uns über was anderes reden.“ Energisches Kopfschütteln, Wegdrehen, Thema mit der Hand wegschieben. „Wir haben Ferien!“ „Die letzten Ferien vor…“ „Sei still, ich will das nicht hören!“

Meine Mutter sagt, dass es keinen Grund gebe, aufgeregt zu sein. Dass das sei wie bei Hochzeiten, wo einem Angst gemacht wird, damit man begreift, was für ein großer Schritt im Leben das ist, dabei sei es eigentlich nichts Großes.
Es beruhigt mich, weil ich mir das alles vielleicht zu groß denke, es tut gut zu hören, dass es das nicht sein muss. Wie ein „Istallesnichtsoschlimmwirdnichtallessoheißgegessenwie“ und ich weiß nicht, ob sie mir nicht vielleicht doch Benzin für meinen Motor geben sollte. Feuer unterm Hintern. Damit ich etwas mache. Damit es klappt. Zündung und go. Ich weiß nicht.

Ich weiß vieles nicht, das ich noch wissen muss. Ich kann vieles nicht, das ich können muss. Allein ich weiß, das es nicht leicht wird. Das Sichselbstorganisieren, das Abiturkramorganisieren, das eigentliche Lernen, das Ruhebewahren, das Abschiednehmen. Trotzdem wird es. Die vielen letzten Male, die von Mal zu Mal weniger werden. Wird alles schon. Nur wie?

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Kommentare

  1. Hyperventiliere und habe rote Backen bekommen, während dem Lesen.
    Schnell zurück an den Schreibtisch, auf, auf, los (also ich).
    [Dienstag/Mittwoch gibt es eine kleine Überraschung (also du, bekommst).]

    Der Dezember wird gut und zufrieden, es klang nach Lösung und Ausatmen. 🙂

    | Antwort Verfasst 8 years, 7 months ago
  2. * lülü says:

    Der Sonntagsbrief hat seine Destination erreicht. Ich öffne ihn nach Aufräumen und Lernplan machen. 🙂

    | Antwort Verfasst 8 years, 7 months ago


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