Diktatkönigin



„I put my soul in what I do“

Das war’s. Schluss für heute. Langer, kurzer Tag. Schluss für heute. Letzte Klausur. Schluss.

Mit Krone auf dem Kopf und königlichem Dekret im Körbchen (ein Kissen, um alles zuzudecken: die Marmelade, die Postkarte, den Vanillinzucker, Stifte im Pokémon-Mäppchen, History-Hasen und Lindt-Kaninchen, sicherheitshalber auch das Döschen mit Freud, Über-ich und Unterbewusstseinsschaukelpferd in mini). Von einem Grafen geleitet. Seine Hand durfte ich auf dem Weg zerdrücken.

Ging gut. Ging alles ganz gut. Diese komischen Heinis haben in 6 Aufgabenvorschlägen nur zwei Themenvariationen untergebracht. Jeweils dreimal das Gleiche. Heinis. Also wirklich. Monsieur de Tocqueville kennengelernt. Ein ausgesprochen hübscher Geselle. (Gerade herausgefunden, dass ich im Text die richtige Stelle hervorgehoben, aber die falsche Beurteilung daraus gezogen habe. Vielleicht doch nicht ganz verstanden, was er meinte. Argh.)

Ja, ging gut. Habe das Kaninchen verdrückt-zerdrückt. Marmelade genascht. Flecken gemacht. Mit Vanillinpulver Fragen provoziert. Die kannten mich da noch nicht. Dafür kannte ich ihre Lehrertoilette noch nicht. Die haben Bilder an den Wänden. Seife. Ohne Ende Klopapier. Und, das Fetteste: heißes Wasser!

Ging wirklich gut. Schrieb mich so durch, konnte eine Menge unsinniger Detailinformationen loswerden. Hab ab und zu ein bisschen die Hand aufs Herz halten müssen, damit es nicht mehr als zweimal in der Sekunde schlägt. Saß gemütlich auf meinem weißen Kissen, dachte und schrieb. Ging wirklich. Verbindende Konjunktionen statt Anreihungen. Einleitungen und Schlusssätze.

Ging die Wortanzahl durch, stapelte, gab ab.

Ging aus der ersten Tür raus, und aus der zweiten Tür raus, mit dem Lehrermenschen fast schon die Treppe runter, in Gedanken, Blick auf dem Korb. Mein Name fällt, springt eigentlich. Meine Freunde! Mit Plakat (Geschi-Power!), mit Schampus, mit festen warmen Armen. Mercimercimerci.

Der Rest des Tages müder Taumel (vier Stunden Schlaf von vielgelernt und vielzufrühwach) und lockende Bettenkissenwolkendecken. Ob ich da mit Kopfsprung eintauche? Wie ein Seehund darin herumwühle? Och ja.

(Dem Grafen das pergamentene Dekret vorgetragen. Von ihm, zum Schluss, Handkuss und Verbeugung. Das Krönchengummi spannt am Kopf.)

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Trackbacks & Pingbacks

  1. Blick zurück ins alte Jahr « Diktatkönigin pingbacked - 7 years, 5 months ago

Kommentare

  1. * Herr Rau says:

    Gratuliere? Freue mich jedenfalls.

    | Antwort Verfasst 8 years, 1 month ago
  2. * Cassandra says:

    Toll, toll hast du das gemacht! Bin stolz auf dich, auch wenn das so seltsam klingt, es zu schreiben (na, dann sag ich es dir halt, wenn wir uns mal wiedersehen).

    | Antwort Verfasst 8 years, 1 month ago


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