Diktatkönigin



Ba-Bam!

Mein Körper ist vielleicht stark, huiuiui. Nehmt euch in Acht, der nimmt’s mit jeder Widrigkeit auf. Den wirft so leicht nix um. Der bleibt stehen, auch wenn ich ihm das Fallen gestatte.

Tatort Blutabnehmestelle: Mal gucken, was ich kann. Ich habe weder gefrühstückt, noch mittaggegessen, und, ähm ja, schwindele ein bisschen, sage, meine letzte Mahlzeit sei um 10 Uhr gewesen. Hey, ich bin froh, ich bin da, ich will der Welt mein Blut schenken. Da will ich nicht aus Sicherheitsgründen wieder heim. Ich will die Nadel, den Spezialsitz, Cola trinken, großes Pflaster und das Frühstück danach.
Wieviel ich getrunken habe, will die Ärztin wissen. Ohoh. Ob ich getrunken habe, wäre als Frage präziser, ich trink vielleicht so ein Glas am Tag. Zählt das Wasser, das man beim Zähneputzen schluckt? Wieviel trinken Menschen bis mittags normalerweise? Ich sage mal „1 Liter“, das wird schon passen.
Dann will sie wissen, wieviel ich wiege und ich schätze. Das geschätzte Gewicht hatte ich mit zwölf, das weiß ich, das könnte ich jetzt ja wieder haben. Sie glaubt mir nicht, bittet mich auf die Waage, es ist weniger. So wenig jetzt aber auch nicht, hmpf, die Mindestgewichtsanforderung erfülle ich.
Schließlich fragt sie mich in ernstem Tonfall, ob ich mir das gut überlegt habe, weil ich so leicht und und klein sei und noch dazu einen sehr niedrigen Blutdruck hätte. Erhöhtes Risiko zu kollabieren. Der Abstand meiner letzten Mahlzeit sei auch fast zu groß. „Sind Sie sich ganz sicher, dass Sie das machen wollen?“ Äh, ja. Bitte?

Alles kein Problem, ich passe auf: nicht der geringste Schwindel. Ich fühle mich wach und stark. „Ba-bam!“ eben. Obwohl ich währenddessen gelesen habe, wovon mir gegen Ende abgeraten wurde (die Anstrengung, ihr versteht.), obwohl mein Magen leer und das Wetter sehr warm war, alles kein Problem.
Der Arm ein bisschen taub und die Ansicht auf die Nadel, die halb in der Haut hing (hoffentlich fällt die da nicht raus und reißt dabei die Haut durch, so dass das Blut mit meinen Bewegungen durch den Raum spritzt und fließt) ein bisschen eklig, aber sonst, wirklich, alles prima.

Frühstück auch super, und der Heimweg ebenso; ich habe so gute Laune, dass ich jemanden auf ein erhöhtes Beförderungsentgelt einladen will. An der zu erwartenden Schwäche wachse ich, trete auf festen Boden. Und draußen strahlen meine Rosen so weiß und frisch.

Bei allen Schimpfgedanken, die man manchmal gegen sich hat: ich mag meinen Körper. Ich bin stolz darauf, wie stark er ist. Schließlich hält er mich aus und kann mich tragen. Auch wenn ich ihm das Fallen gestatte.

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