Diktatkönigin


Category Archive

The following is a list of all entries from the Geigerei category.

Ambition fingers

(Bild von photocase, gefunden auf zeitonline)

Ein Smoothiefläschchen mit einem Kissen öffnen. Am linken Zeigefinger einen Herzdiamantring tragen. Na, wenn das nicht nach fluffigem Mädchenkitsch klingt. Nach Einhorntattoo und tumblr-Wolkenbildern mit liebesbezogenen Sinnsprüchen. Ja, ich sag nicht Nein zu Marshmellowschaum. Wollte aber etwas anderes erzählen.

Mir geht gerade eine Lust durch den Körper (oha!), weil ich einen schönen Tag und einen Erkenntnismoment hatte. Man muss sich mich so vorstellen: eine von den drei rosigen Bettdecken liegt auf dem Fußboden und ich auf ihr. Da schüttelwinde ich mich nicht nur, weil die Heizungswärme nicht an meinen Rücken heranreicht. Nein. Ich höre Musik. Ich höre sowas und fühle superhelles Sechzehntelpicken in meinen Fingerspitzen (who gets the literary reference?). Ich will wieder. Ich will sowas. Als Ersatz dirigiere ich mit Hüfte und Kopf. Ein Fisch auf dem Trockenen, der arg langsam zappelt. Im Gegensatz zu ihm kreisele ich meine Beine. Können Fische Gänsehäute haben?

Also: Aus mir wird nicht die versierte Violinistin, die ich mit fünf Jahren sein wollte. Aber darum geht es gar nicht. Es geht nicht darum, jung groß zu sein, besser zu sein als, ect. Das kann man gleich aufgeben, das ist Käse (mit falschem Flaum). Zug abgefahren, Ticket vor 15 Jahren verfallen und so weiter. Stattdessen:
Ich will was können. Ich will üben und lernen und besser werden und irgendwann (für mich) all diese Konzerte spielen können, die ich sososo gut finde. MendelssohnVivaldiTschaikowskyDvorakSibeliusVasks. Und wenn es 15 Jahre oder länger dauert. Ich will lernen und üben und meinen Nachbarn auf den Keks gehen. Ich WILL das.
Vorher sah ich mich immer im Vergleich, in dem Ich-bin-so-grottig-die-spielen-so-gut-Vergleich. In Vergleichen, in denen ich mich immer als schlechteste Instrumentalistin der Gruppe erkannte. Vorher hatte ich immer weniger Spaß, weil ich daran dachte, dass ich nie so gut werden könnte, wie… So ein Pustekuchen. Ich werd‘ schon gut, bloß nicht vorgestern, sondern zwanzig Jahre später als der Rest. Und dann, woohoo. Und währenddessen, WOOHOO!

Schöne Sachen machen können. Schöne Sachen machen, ja.

Als ich in Schottland war, hat das Mädchen, bei dem ich wohnte, mir aus der Hand gelesen. Sie strich mehrmals über meinen rechten Zeigefinger und erklärte: „You are very ambitious. See, you have an ambition finger.“ Ich sehe immer noch nichts Außergewöhnliches an diesem Finger. Und ich habe fast zwei Jahre gebraucht, um einzusehen, womit sie recht hatte. Dass sie recht hatte.
Ich werde diese Finger schon in Bewegung bringen.

Gonna hand the bow some flow.
Fingers sing that pick the string.
Lovely thing,
down below.

Advertisements

Kas?

Begreife nicht. Das war das. Das war das? Was?

So war ein Orchesterkonzert noch nie.
Erstens: So viele Augen auf mir und dabei auch so guter Zuspruch. Davor: „Ihr schafft das schon!“ und viele, viele, viele aufmunternde Blicke, wenn man sich so umschaut. Im Orchester, alle nicken, lächeln aufmunternd. Im Publikum, Winken und Daumen hoch.
Danach: Wem man begegnet: „Gut.“ „Sehr schön.“ Usw. Echt jetzt?
Denn dazwischen: Fehler, Unsauberkeiten, Unsicherheiten.

In der Pause sehe ich alte Lehrer wieder, langvermisste Lehrer. Komisch. Hätte mehr sagen wollen. Aber Konzertsituation. Da ist man durch den Wind und will noch viele andere grüßen.
Nein, Pause: Es ist so seltsam. Will weinen, es begreifen, es festhalten, damit ich merke, wie ich es verliere. Will weinen über sie und mich und uns und die Situation. Was war das? Es zog so vorbei.

Das war das? Das war Solospielen und sie wiedersehen?
Ja, ich habe, was ich wollte. Der Glanz, den verbesserten Kommentar vom Kritischen. (Vor 5 Jahren: „Deine Referate sind ja sehr gut, aber die Geige…“ Heute: „Das war gut/da hat sich ja richtig was getan. Wenn ich da noch an vor 5 Jahren denke…“), das Soloseindürfeneinevondenendietollsind. Eine von denen. Und das ist schwer. Kann mich in die anderen Solisten reinfühlen, weil ich jetzt begreife, wie schwer das für sie ist. Die Aufregung davor (Herzschlag in Allegro, ohne Mist jetzt), die kleinen Patzer, das Loslassen danach. Die Freude über jedes Kompliment.
(Lächeln vom Dirigenten, Erleichterung.)

Trotzdem nicht richtig.
War die letzten Konzerte so melancholisch, habe mich in die schönsten Sachen reingedacht und nicht mehr rausbekommen. Eine große Welt und viel Sehnen. Heute war es anders. Schnell fertig und ich nicht darin verwebt. Auch die Sache mit diesen Lehrern. Will begreifen, die Tragweite und so weiter, und darüber schluchzen können, aber es geht nicht.
Es ist seltsam, wirklich. Kann’s auch nicht erklären. Bin sehr zufrieden, war fast die Schönste, habe viel Gutes erfahren. Trotzdem ist alles weit von mir weg. Weit.

Morgen geht es weiter.

((Mir ist immernoch schlecht von dem Topf Sahne vom Vortag.))


Eine Kiste Suppengrün. Gemischtes.

fruitbase26.gif

Eine Woche und zwei Tage noch und dann – täterätätä: werde ich 20 sein. 2x 10. 5x 4. Zwei Dekaden. Kein, hoho, Teenager mehr.
Muss mich das beängstigen?
Muss mich verunsichern, dass ich nicht die geringste Ahnung habe, was ich an diesem Tag machen werde? (Ignorieren ist nicht, Geburtstage sind die schönsten Tage im Jahr, mit Sonnenschein und leichten Freundlichkeiten.)

Eine Idee habe ich allerdings: Eben von Sonnenstrahlen geweckt werden, mit Freunden, lauter Musik und offenen Fenstern ins Grüne fahren und an einem Bach, an einem Waldrand, einer von der Stadt entfernten Wiese picknicken und, ja, Musik hören.
Abends dann toll ausgehen und essen.

Weil ich aber nicht weiß wo ich jenes verheißungsvolle Stück Natur finden kann (Rhön? Taunus?), ist die Planung schwierig. Mir fehlt auch das Wissen, wer ein Auto hat, wer Zeit hat und man möchte ja allem gerecht werden können.
Deshalb gibt es auch Ausweichideen, nämlich a) reinzufeiern (zu der Zeit hab ich noch einen Gast aus Indien, der an meinem Geburtstag morgens abreist) oder b) abends in einem Park mit allen möglichen netten Menschen zu feiern.

Vielleicht, und das kann es tatsächlich werden, mache ich auch alle drei Sachen. In kleinem Kreis reinfeiern, damit man noch zum Schlafen kommt (Es ist schließlich der GeburtsTAG der genossen werden soll, nicht die Nacht davor), morgens ins Grüne fahren und dann am Abend darauf mit allen feiern. Oder auch später. Denn ich möchte alle einladen, die Lust haben zu kommen.

Aber für den Tag des 8. Juni (ist die 8 nicht eine schöne Zahl?) darf sich auch gerne spontan noch etwas anderes ergeben. Rumreisen könnte ich ja auch.
Hauptsache Sonnenschein und freundliche Aufmerksamkeiten.

Was ich letztes Jahr gemacht habe?
Es war das Abschlussmittagessen unserer Stufe in Schweden, ich habe eine Rede gehalten und ein Abschiedsgeschenk + Karte von meiner Klasse bekommen. Das Wetter war gut, natürlich, und am Nachmittag fand eine Probe für den Musiktag unserer Musikschule statt, schwedische Volksmusik für eine große Geigengruppe. (Sachen, die so leicht sind, dass man sich aus Unachtsamkeit definitiv verspielt.)
Ich hatte meine Stütze dort vergessen, fällt mir gerade ein.
(Gesungen hat leider niemand für mich. „Ja, mår hon leva, ja, mår hon leva, ja, mår hon leva uti…„)

violinfingers.jpg

Geiger haben schöne Hände.
Das fasziniert mich immer wieder.
Ganz gleich ob die Finger lang oder kurz, dick oder dünn sind, Geigerhände sind immer hübsch. Gepflegt. Vielleicht sogar weich.
Es kann sich auch kein Dreck unter den Fingerkuppen ansammeln, weil die Nägel kurz sein müssen. (Bis auf die der mittleren drei Finger der rechten Hand, aber die lässt man ja nicht als einzige wachsen.)
Und das allerschönste: Wenn die Hände dann spielen.
Die Finger der linken Hand mit Präzision auf dem Griffbrett und die rechte Hand locker aus dem Handgelenk den Bogen haltend.
Wenn jemand das richtig macht, besonders die rechte Hand unverkrampft und so leicht angewinkelt den Bogen führt, fühle ich mich richtig gänsehäutig.
Weil ich das so ungeheuer schön finde.

Heute habe ich Brötchen gebacken. (Namentlich Blitzbrötchen von veganwelt.de)
Die schauen zwar aus wie Riesenmakronen, aber schmecken ganz in Ordnung. Beinah‘ wie Brötchen. Weil ich keine Waage habe, hab ich die Menge der Margarine eher geschätzt, vielleicht sind sie daran gescheitert.
Essen kann man sie trotzdem. Wie fluffige Riesenplätzchen etwa.

Dazu habe ich versucht veganen Brotaufstrich zu machen, aus Tomatenmark, Olivenöl, Essig, Pfeffer, Salz und einer Zwiebel.
Wäre ich nach den Mengenangaben meines Rezeptes gegangen, so hätten es vier Zwiebeln sein müssen.
Haha, von wegen, diese eine Zwiebel war schon zuviel des Guten, hat den Aufstrich unsagbar scharf gemacht, so dass ich Sojamilch und Brot als mildernde Umstände (höhö) hinzufügen musste. Das war aber garnicht so schlecht. Dieses Brot gibt der Pampe eine Bolognesesaucenkonsistenz, die Stückchen fühlen sich an wie Hackfleisch.
Das muss ich mir merken, denn fürs Brot war dieser Matsch zu flüssig. Aber für Nudeln…mmmh…
(Auch lustig – einen Brotaufstrich auf ein Brot, der teilweise aus dem Brot gemacht ist, auf das man ihn streicht.)

brille_kaputt.jpg

Eine Brille, ich hätte gerne eine neue Brille. Viele neue Brillen.
Intellektuellenbrillen, Emo-Brillen, Sekretärinnenbrillen, unsichtbare Brillen.
Eine Jan Hofer-Brille gefiele mir ganz gut. Oder etwas Viereckiges, Dunkelbraunes.
Am Liebsten wäre mir eine dieser Brillen, die an alten Männern, nein, an alten Herren gut aussehen. Mir stehen diese Gestellschönheiten bloß nicht. Leider.
Ich würde mich zur Not aber auch mit Dollarzeichenkontaktlinsen zufrieden geben.